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Schwesternhaus verkauft – eine Epoche ging zu Ende
Im Jahr 1903/04 errichtete die Evangelische Kirchengemeinde im Unteren Flutgraben 64 ein Haus für ihre Diakonissen, die als Dorfkrankenhelferinnen und als „Kindergartentanten“ in der damals sog.
„Kleinkinderschule“ eingesetzt waren. Alten Osthofener(inne)n ist noch gut erinnerlich, dass man mit kleineren Wehwehchen nicht zum Arzt, sondern zur Diakonisse ging. Die Diakonissen, die vom Darmstädter
Elisabethenstift entsandt wurden, kamen auch ins Haus und versahen etwa den Haushalt von Wöchnerinnen, machten die Wundversorgung bei Verletzten der Weltkriege usw. Das Wohnhaus (sog.
„Schwesternhaus“) im Unteren Flutgraben war dabei der Stützpunkt – Lebens- und geistlicher Mittelpunkt – der Diakonissen, die für ein Taschengeld und freie Kost &
Logis rund um die Uhr erreichbar waren.
In den 30er Jahren wurde die zuletzt von den Diakonissen „Schwester Käthchen“ und „Schwester Tilly“ geleitete Kinderschule auf
Druck der nationalsozialistischen Machthaber in die Trägerschaft des „NSV“ überführt. Die ehem. „Kinderschule“
wurde baulich vom „Schwesternhaus“ abgetrennt. Nach 1945 blieb es dabei: Gebäude und Gelände der
„Kinderschule“ wurden an die bürgerliche Gemeinde Osthofen abgetreten, die das Haus zunächst als Kindergarten
unter der Leitung von „Schwester Luise“ und „Tante Hedi“ Kühner führte. Später wurde das Anwesen in das städtische Jugendhaus umgewandelt, als das es bis heute betrieben wird.
Die Tradition des evangelischen Kindergartens wurde nach einem Neubau an anderer Stelle – in der Goethestraße 28 – weitergeführt. Der Neubau wurde im Jahr 1962 ermöglicht durch eine
großherzige Spende des damaligen Kirchenvorstehers Otto Schill und seiner Frau Amanda und stand nun unter der „weltlichen“ Leitung von „Tante Anni“ Kellermann (gest.18.09.2003).
Die letzten Diakonissen verließen Osthofen im Jahr 1975 und kehrten ins Feierabendhaus des Elisabethenstiftes zurück, wo sie nach jahrzehntelangem Dienst auch verstorben sind.
Nach exakt 101 Jahren endete die Epoche der Diakonissen in Osthofen auch baulich, indem das ehem. Schwesternhaus im April 2005 an einen privaten Käufer veräußert wurde.
Das Erdgeschoss des Hauses war von 1994 bis 2004 als Gemeindebüro genutzt worden; das 1. OG als Wohnung; das 2. OG dient auch heute noch als Büro des Dekanatsjugendreferenten.
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