Die Orgel in der Kleinen Kirche - Königin der Instrumente -

Nachdem 1778 die Kleine Kirche fertiggestellt werden konnte, wurde 1787 durch den Wormser Orgelbauer Christoph Jeckel auf der zweiten Empore eine Orgel eingebaut.

Die damalige Registratur, die in einem Orgelgutachten von 1962 als 'typisch Süddeutsch' bezeichnet wird:

Manual
Principal 4'
Bourdon 8'
Kleingedackt 4'
Quinte 3'
Mixtur 1 1/2' 3-fach
Cimbel 1'
Krummhorn 8' Disc.
Gedackt 8' Baß

Pedal
Violon 8'

Allgemeines
Cimbel in jeder Oktave repetierend
Tremulant
Der Pedalumfang umfaßt 17 Töne

1837 wurde im Rahmen einer Reparatur der Orgel auch die Dispostion durch den Orgelmacher Landolt geändert:

Die Cimbel wird durch Octav 2',
das Krummhorn 8' Disc. durch eine Flöte 8' ersetzt.

1917 sind die ursprünglichen Prospektpfeifen durch Zinkpfeifen ersetzt worden.

Zu einem nicht zu bestimmenden Zeitpunkt wurde ein Salicional 4' und eine Gamba 8' eingesetzt.

Es gibt 2 Bälge, die mechanisch zu bedienen sind, das elektrische Gebläse auf dem Dachboden ist defekt.

1975 wird ein Gutachten vom Orgelbausachverständigen Hans Martin Balz erstellt, weil die Kirchengemeinde beabsichtigt, eine Zwischendecke einzuziehen. So können die unteren Räume von der Gemeinde genutzt werden, während oben ein Kirchenraum erhalten bleibt. Es wird empfohlen, die Orgel an der bisherigen Stelle zu belassen, um die Akustik nicht zusätzlich zu verschlechtern. Der Einbau einer Zwischendecke verändert ohnehin die Akustik in erschwerender Weise.

Die Überlegungen und Planungen des Umbaus der Kleinen Kirche ziehen sich bis 1979 hin. Jetzt soll die Orgel abgebaut und eingelagert werden, bis der Umbau fertiggestellt ist. Durch Jahrzehnte ohne Nutzung ist die Kleine Kirche schwer geschädigt. Teile der Decke sind in die Orgel eingebrochen. Sie wird notdürftig gereinigt, um die Pfeifen vor weiterem Schaden zu bewahren. Den endgültigen Abbau und die Einlagerung übernimmt die Orgelbaufirma Schmitt aus Kaufbeuren. Da durch den Abbau und die Einlagerung eine erhebliche Anzahl von Orgelpfeifen verschwunden ist, stellt sich die Frage des Wiedereinbaus völlig neu. Es werden Kosten in Höhe von 100.000 DM genannt. 1985 beschließt deshalb der Kirchenvorstand die Anschaffung eine von Oberlinger gebauten Hausorgel eines ehemaligen Kirchenmusikdirektors aus Wiesbaden. Sie soll künftig in der Kleinen Kirche der kirchenmusikalischen Arbeit dienen. Nach der endgültigen Fertigstellung der Jeckel-Orgel wurde die Hausorgel 1994 wieder verkauft.

1987 zeigt das Landesamt für Denkmalpflege ein besonderes Interesse an der historischen Orgel. Nach Verhandlungen mit der Kirchengemeinde, der Kirchenverwaltung und dem Landesdenkmalamt wird die Finanzierung auf 120.000 € festgelegt. Den Zuschlag zum Wiedereinbau und einer Restaurierung der Orgel erhält die Firma Förster & Nikolaus. Im Zuge der Wiederherstellung und Restaurierung müssen einige mechanische Enbauten verändert werden, weil die umgebaute neue Empore weniger Platz für die Orgel bietet. Glücklicherweise kann aber nach einigen Schwierigkeiten auch der untere Teil des Propektes in die Brüstung der Empor mit eingebaut werden. Als Zugeständnis an die moderne Zeit wird im Pedal ein Subbaß 16' eingebaut. Dadurch erhöhte sich der Finanzierungsaufwand auf insgesamt 139.520,20 DM.

Am 28. Mai 1989 wurde die restaurierte Jeckel-Orgel in der Kleinen Kirche eingeweiht. Der vermutlich ursprünglichen Jeckel-Disposition, zuletzt aufgezeichnet 1837 durch den Orgelbauer Landolt, wurde lediglich im Pedal ein Subbaß 16' wie eine Pedalkoppel hinzugefügt. Eben dem Original geschuldet bleibt die höhere Stimmung der Orgel. Aus diesem Grund ist das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten kaum möglich. Bis heute bleibt die Jeckel-Orgel daher ein einmaliges und außergewöhliches Instrument.